Die Wissenschaft ist sich einig: Die Frührehabilitation im Akutkrankenhaus kann vielen Menschen zu erheblich mehr Lebensqualität verhelfen. Die fachübergreifende Frührehabilitation im Akutkrankenhaus ist die wohnortnahe Behandlung von Patienten aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten mit schwerwiegenden Funktionsstörungen und der Gefahr bleibender Behinderungen zum frühestmöglichsten Zeitpunkt zeitgleich mit der akutmedizinischen Versorgung. Sie ist damit als erstes Glied einer nahtlosen Rehabilitationskette ein wichtiger Bestandteil unseres therapeutischen Spektrums. Sie ist von besonderer Bedeutung für Patienten mit schweren akuten Gesundheitsstörungen, Komplikationen und Multimorbidität sowie bei vorbestehenden chronischen Krankheiten, Behinderungen oder altersbedingten Veränderungen.
Die Frührehabilitation auch im Akutkrankenhaus durchzuführen erscheint sinnvoll und notwendig, weil auf Grund der Bevölkerungsstruktur mit ständig steigender Lebenserwartung und vielfältigen Erkrankungen viele Patienten von Pflegebedürftigkeit bedroht sind.
Unser Ziel ist die nahtlose Rehabilitationskette von der stationären Frührehabilitation in der Akutphase bis zur Verlegung in eine spezialisierte Reha-Einrichtung oder in die ambulante Weiterbehandlung. Neben erheblich verbesserten Behandlungsresultaten führt diese integrierte Behandlung zu einer Entlastung der Volkswirtschaft und der Krankenkassen, da Patienten schneller und erfolgreicher in ihr soziales Umfeld integriert werden können. Die dauerhafte Pflegebedürftigkeit und die damit einhergehenden Kosten tritt häufig später oder gar nicht ein.
Die indikationsübergreifende Frührehabilitation erfolgt durch ein multiprofessionelles Ärzte- und Therapeutenteam (Physiotherapie/ Krankengymnastik, Physikalische Therapie, Ergotherapie, Logopädie, Dysphagietherapie und Sozialarbeit).
Wir versorgen vorwiegend Patienten nach Unfällen (Schädel-Hirn-Verletzungen, Mehrfachverletzungen, Wirbelsäulenverletzungen, Beckenverletzungen und komplizierte Extremitätenverletzungen) orthopädische Patienten nach Gelenkersatz, Patienten mit Gefäßleiden, Neurologische Patienten (Hirninfarkte, Hirnblutungen) sowie kardiologische und gynäkologische Patienten.
Im Schwerpunkt werden Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Hirninfarkt oder Blutungen behandelt. Hierbei ist die Verknüpfung mit der Akutbehandlung des Schlaganfalls auf einer Station besonders hervorzuheben, da es wissenschaftlich bewiesen ist, dass eine möglichst frühzeitig einsetzende Rehabilitation das Behandlungsergebnis, die Lebensqualität und die Fähigkeiten von Patienten mit Schlaganfall deutlich verbessert. Die Patienten profitieren dabei von der Anwendung bewährter standardisierter Behandlungspfade nach dem „Stroke Unit“ Konzept.
Erstmalig in der Region ist damit die Akutbehandlung und Frührehabilitation von Schlaganfallpatienten in einer Abteilung unter einem Dach möglich. Bisher mussten die Patienten oftmals nach Abschluss der Akutbehandlung in andere Einrichtungen verlegt werden. Die gesamte Diagnostik kann in Zusammenarbeit mehrerer Fachgebiete vor Ort erfolgen. Hierbei steht nun auf neurologischem Fachgebiet die Ableitung von EEG (Hirnstromkurven), sowie die elektrophysiologische Diagnostik bereit. Zur weiteren Abklärung der Ursache eines Schlaganfalls ist in interdisziplinärer Zusammenarbeit die sonographische Darstellung des Herzens (Echokardiographie) sowie die Untersuchung des Herzschlages mittels einer Langzeit-Elektrokardiographie möglich. Die röntgenologische Darstellung eines Schlaganfalls, sowie der zu- und abführenden Adern des Gehirns ist in unserer radiologischen Abteilung rund um die Uhr möglich. Hinzu treten die Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße sowie weitere Doppler-Untersuchungen. Unsere Spezialisten für Angiologie und Gefäßchirurgie stehen für ggf. erforderlich werdende Interventionen (z.B. Carotis-TEA) zur Verfügung.
Unsere Station für fachübergreifende Frührehabilitation verfügt neben normalen, behindertengerechten Patientenzimmern über einen Intermediate-Care Bereich, welcher eine enge Anbindung der Frührehabilitation an die Intensivstation ermöglicht. So können die Patienten unmittelbar nach Beendigung der Beatmung bei noch weiter bestehender Überwachungspflicht der Vitalparameter zur Frührehabilitation übernommen werden. Bei Komplikationen steht die gesamte Diagnostik und die Interventionsmöglichkeiten des Akutkrankenhauses jederzeit zur Verfügung.
| Behandlungsschwerpunkte: |
|
- Therapie auf neurophysiologischer Grundlage nach Bobath- und PNF Konzept |
- Krankengymnastik, Bewegungstherapie, manuelle Therapie und Gangschulung |
| - Schluckdiagnostik und -therapie |
| - Aphasie - und Dysarthriebehandlung |
| - Lymphdrainage und Kompressionsbehandlung |
| - Spastik-Therapie |
- Neuropsychologische Diagnostik und Therapie, Hirnleistungstraining |
| - ADL-Training, Hilfsmittelversorgung, Hausbesuch |
- Sämtliche physikalisch-therapeutischen Behandlungsverfahren (Elektrotherapie, Hydrotherapie Thermotherapie und Mechanotherapie) |
| - Ernährungsberatung |
- Sozialmedizinische Beratung, Vermittlung von weiterführenden Rehabilitationsbehandlungen |